Das Salzburger Marionettentheater

Eine 100-jährige Familientradition

Die Familie Aicher war während annähernd 100 Jahren die außergewöhnlich prägende Kraft des Salzburger Marionettentheaters, einer Säule des Salzburger Kulturlebens. Drei Generationen leiteten das Theater mit großer künstlerischer Sorgfalt und Liebe, mit Gespür für den Erhalt einer ganz besonderen Kunst im mitteleuropäischen Raum: dem Puppentheater an Fäden. Der Aufbau von einer kleinen Marionettenbühne zu einer der führenden Institutionen seiner Art war keineswegs vorprogrammiert. Nur kluge Strategien, richtige Weichenstellungen im geeigneten Moment und künstlerische Weitsicht machten es möglich, das Theater 100 Jahre als Privatinstitution erfolgreich zu führen.

Als der aus der Steiermark stammende gelernte Bildhauer Anton Aicher (1859–1930) in München in einer Vorstellung des berühmten Marionettentheaters des „Papa“ Leonard Schmid saß, war in ihm schon lange der Traum gereift in Salzburg ebenso ein eigenes Marionettentheater aufzubauen. Anton Aicher hatte zuvor in Wien die Kunstakademie absolviert und bekam ein Angebot aus Salzburg, um die Bildhauerklasse der Staatsgewerbeschule zu leiten. 1885 heiratete er Rosina Deutsch eine Gutsbesitzertochter aus der Nähe von Graz. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Notburga (1886–????), Karl (1873–????) und Hermann (1902–1977): alle drei wuchsen in dem Haus der Familie in der Nähe des Schlosses Leopoldskron auf und waren bereits als Kinder von zahlreichem, vom Vater selbst geschnitzten, Spielzeug umgeben. Vater Aicher war inzwischen in Kontakt mit dem fast 80jährigen „Papa“ Schmid gekommen, der ihm großzügige Einblicke in seine Marionettenwelt gestattete.

Anton Aicher wollte jedoch keineswegs die große Kunst des Münchener Meisters kopieren: ihm schwebte ein Theater vor, das mit seiner eigenen Puppentechnik und einer eigenen künstlerischen Sprache, eingebettet in die Tradition des Salzburger Kasperls, bestehen konnte. So blieb denn auch über Jahre der Salzburger Kasperl – ein wesentlich sensiblerer, zarter, manchmal sogar melancholischer Charakter, im Gegenzug zu seinem derben Kollegen „Larifari“ aus München – der Inbegriff des Salzburger Marionettentheaters. Die zentrale Figur, die Generationen von Kindern an die Welt der Märchen aber auch das Erwachsenentheater heranführte, sollte sich mit seinen Späßen und seiner Lebensklugheit als ein weiser Kommunikator für Groß und Klein herausstellen.

Anton Aicher konnte einige seiner Studenten als freie Mitarbeiter für seine außergewöhnliche Idee gewinnen, die ihm halfen, die erste kleine Bühne in seinem Atelier im Salzburger Künstlerhaus zu errichten. Treibende Kraft und Bildhauer war er jedoch selber: bis heute bilden die kleinen nur 20–30 cm großen Marionetten des Anton Aicher das künstlerische Fundament des Salzburger Marionettentheaters. Ihre Detailgenauigkeit und ihre unübertroffene Ausdrucksstärke trugen viel dazu bei, das Theater zu einem Pfeiler des illusionistischen Puppenspiels (der Puppenspieler ist nicht sichtbar und die Puppe soll in ihrer Bewegung möglichst einen Menschen nachahmen) auszubauen. Die Phantasie und die gekonnte Überzeichnung der Charaktere sind ein Markenzeichen ihres Schöpfers. Aber nicht nur im Bildhauerischen, sondern auch in der Perfektionierung der Puppentechnik ging Anton Aicher neue Wege. Er entwickelte für seine Marionetten auch ein eigenes Führungskreuz, welches bis heute in perfektionierter Form beim Salzburger Marionettentheater verwendet wird.

Am 27. Februar 1913 fand schließlich der erste öffentliche Auftritt mit Mozarts Singspiel „Bastien und Bastienne“ statt. Aufbauend auf den Erfolg folgten in den nächsten Jahren weitere kleine Opern, aber das Hauptgewicht lag auf den Abenteuern des Salzburger Kasperl. Gesprochen wurde immer live von befreundeten Schauspielern, ein Streichquartett oder Klavier sorgten für die musikalische Untermalung. Schwester Notburga sorgte für die kaufmännische Leitung und Bruder Karl folgte dem Vater in allen künstlerischen Belangen.

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Salzburger Marionettentheater

Schwarzstraße 24, A 5020 Salzburg

T (+43 662) 87 24 06, F (+43 662) 88 21 41, M info@marionetten.at

http://www.marionetten.at/das-theater/eine-100jahrige-familientradition
Abgerufen am: 19.08.2017

 

 
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