Das Salzburger Marionettentheater

Eine 100-jährige Familientradition

Sohn Hermann war seit der ersten Aufführung als damals 11-jähriger als Puppenspieler immer begeistert dabei, belegte als junger Student ebenfalls Kurse in Bildhauerei in Wien, kehrte dann aber nach Salzburg zurück. Bruder Karl war vom Kriegseinsatz im ersten Weltkrieg schwer erkrankt zurückgekehrt und an den Folgen verstorben. Anton Aicher baute nun völlig auf seinen zweiten Sohn. Zu dessen Hochzeit 1926 mit der jungen Sängerin Elfriede Eschenlohr übergab ihm der Vater das Marionettentheater, welches mittlerweile im Alten Borromäum angesiedelt war.

Hermann Aicher widmete sich umgehend der Erneuerung des Theaters, hielt Schritt mit technischen Neuerungen im Bühnenbereich, zollte aber auch dem Wunsch nach fantastischem Repertoire Rechnung. So entstanden utopische Stücke, wie „Die Raumrakete“, „Das Weihnachtswunder“, oder „Der Frühlingszauber“. Hermanns junge Frau übernahm die Leitung der Schneiderei und leitete die Sänger und Schauspieler in der Unterbühne. 1926 und 1928 kamen die Töchter Friedl und Gretl auf die Welt, und die junge Familie machte sich schon in den 1930er Jahren auf, um auf ausgedehnten Reisen ins Ausland das Theater bekannter zu machen.

1936 folgte die Umstellung auf größere Marionetten und eine große Bühne für ein langes Russland-Gastspiel, 1937 erhielt man in einem Wettbewerb der Puppentheater auf der Pariser Weltausstellung die Goldmedaille.

Nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland wurde auch das Marionettentheater zu einem Instrument der Propaganda: in zahlreichen Tourneen fuhr man durch Deutschland, in späteren Kriegsjahren wurde das Theater als „Fronttheater“ zur Erheiterung der Soldaten eingesetzt. Im September 1944 wurden alle Theater geschlossen, nur zur Weihnachtszeit konnte man einige Vorstellungen spielen. Nach dem Zusammenbruch des dritten Reichs spielten die Salzburger Marionetten zunächst ausschließlich für die Alliierten Soldaten – Gage waren die so dringend benötigten Lebensmittel.

Noch hatte Hermann Aicher ein großes Ensemble zur Verfügung, welches ihm erlaubte, gleichzeitig in Salzburg ganzjährig zu spielen, als auch auf Tournee zu gehen. Als aber 1950 die Behörden das Stammhaus der Marionetten im Borromäum wegen Baufälligkeit sperrten, musste sich das Theater von hunderten an diese Räumlichkeit angepassten Inszenierungen trennen. Es begann die Zeit der Rationalisierung. Die größte Chance bestand im Aufkommen neuer Aufnahmetechniken und kommerzieller Musikaufnahmen und Hermann Aicher nutzte die Gelegenheit umgehend. Endlich konnten auch große Opern und Theaterstücke einstudiert werden und dies nicht zuletzt in verschiedenen Sprachen. Es begann der große Sprung in die ganze Welt, und erste Tourneen nach Amerika 1951/52 uns Asien folgten. Die Salzburger Marionetten festigten nun ihren Ruf als kleines Opernhaus und Botschafter österreichischer Kunst.

Der junge Bühnenbildner Günther Schneider-Siemssen begann seine Karriere bei den Salzburger Marionetten und war bis 1991 ständiger Ausstatter unzähliger Produktionen. Er war es auch, der oft auf bühnentechnische Neuerungen drang und die Puppenbauer darin bestärkte die Marionettentechnik weiter zu verfeinern. Dies war ganz im Sinne Hermann Aichers, der mittlerweile mit den Opern Mozarts das Kernrepertoire des Theaters gebildet hatte.

1961 fand man endlich für 10 Jahre ein Ausweichquartier im Kapitelsaal, als dann aber 1971 das feste Haus in der Schwarzstrasse bezugsbereit war, war dies sicherlich ein Höhepunkt der Ära Hermann Aichers.

1977 starb Hermann völlig unerwartet und seine Tochter Gretl, die seit ihrer Jugendzeit im Theater gelernt und gespielt hatte, übernahm die künstlerische Leitung. Unter ihrer Ägide wurden weitere Generationen von Puppenspielern ausgebildet und sie vermochte es mit ihrer präzisen Führungstechnik und starkem Ausdruck das Puppenspiel in den Mittelpunkt zu rücken. Das Marionettenspiel als Kunst aufzufassen und dieses zu vermitteln war eines ihrer größten Anliegen. Darüber hinaus konnte sie mit Götz Friedrich oder Wolf-Dieter Ludwig international renommierte Regisseure verpflichten, die für die Salzburger Marionetten arbeiteten. Das Repertoire wurde im Bereich des Musiktheaters breiter gestreut und es entstanden Inszenierungen, wie „Der Nussknacker“, „Hoffmanns Erzählungen“, aber auch Mozart wurde mit seinen zwei noch fehlenden Da Ponte Opern „Figaros Hochzeit“ und "Così fan tutte“ Rechnung getragen. Es folgten Koproduktionen mit den Salzburger Festspielen („Oberon“, „Peter und der Wolf“, "Bastien und Bastienne") und dem Salzburger Landestheater („Josa mit der Zauberfiedel“, „Der kleine Prinz“, „Der Ring des Nibelungen"). Anfang des neuen Jahrtausends konnte das Theater mit Inszenierungen von Shakespeares „Sommernachtraum“, „Hänsel und Gretel“, sowie dem Musical „Sound of Music“ erneut internationale Erfolge feiern. Gretl Aichers plötzlicher Tod im März 2012 beendet nun eine 100-jährige Familiengeschichte mit dem Namen Aicher. Das Salzburger Marionettentheater wird weiterhin auf die Vision ihrer Gründer und Leiter aufbauen.

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Salzburger Marionettentheater

Schwarzstraße 24, A 5020 Salzburg

T (+43 662) 87 24 06, F (+43 662) 88 21 41, M info@marionetten.at

http://www.marionetten.at/das-theater/eine-100jahrige-familientradition?page=2
Abgerufen am: 21.11.2017

 

 
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