Kulturerbe digital

Das Salzburger Marionettentheater betritt die Digitale Bühne

Mittels Fotogrammetrie wurde ein Teil des großen historischen Marionetten-Bestandes erfasst und wird erstmals in digitaler Form zugänglich gemacht.

Der erste Kasperl Larifari (1913) von Anton Aicher

Zeugnisse aus über 100 Jahren Theatergeschichte

Das Salzburger Marionettentheater wurde 1913 von Anton Aicher gegründet. Verschiedenste Objekte aus den Archiven des Hauses spiegeln eine über 100-jährige künstlerische Entwicklung wider: zahlreiche Figuren- und Bühnenbildentwürfe, Tonträger, Videoaufnahmen sowie Plakate, Programmzettel und Berichte. Wertvolle Dokumente stammen beispielsweise aus der intensiven Zusammenarbeit des Hauses mit Bühnenbildner Günther Schneider-Siemssen, der von 1952 bis 1991 sämtliche Inszenierungen ausstattete.

Das Herzstück der Archive aber bilden die ca. 2.500 Marionetten. Als gelernter Bildhauer entwarf bereits Theatergründer Anton Aicher seine ersten Figuren mit hohem künstlerischem Anspruch. Zu seinen berühmtesten Charakteren zählt der kleine Kasperl Larifari aus dem Jahr 1913. Um auf Tourneen vor einem größeren Publikum spielen zu können, wurden ab den 1930er Jahren größere Marionetten gebaut. Mit seinen Operninszenierungen erlangte das Theater später weltweite Bekanntheit. Mozarts „Die Zauberflöte“ mit Josef Magnus’ unverwechselbaren Puppenköpfen (z. B. Papageno) aus dem Jahr 1952 ist bis heute Kernbestandteil des Spielplans.

Bau und Kostümierung der Marionetten erfordern höchste handwerkliche Präzision und viel Erfahrung. Die speziellen Fertigkeiten werden von den Ensemblemitgliedern im Haus weitergegeben.

    Digitale Nachbearbeitung der 3D-Objekte

    Digitalisierungsmethodik

    Im Rahmen des Förderprojekts „Kulturerbe digital“ des BMWKMS wurde ein Teil des Marionettenfundus mittels Fotogrammetrie digital erfasst: Für jede einzelne Figur entstand damit aus jeweils bis zu 600 Bildern ein hochauflösendes digitales 3D-Objekt. Umfassende Anpassungen und Nachbearbeitungen waren nötig, um die speziellen Eigenschaften der Marionetten und ihrer Kostüme (Materialität, Oberflächentextur, Stofflichkeit, Farbe, Transparenz) wiederzugeben.

    Die Digitalisate werden als Open Data mit entsprechender Lizensierung auf „Kulturpool“, dem zentralen Suchportal für digitalisiertes Kulturerbe aus österreichischen (Kultur-)Institutionen veröffentlicht. In weiterer Folge werden diese auch auf der europäischen Plattform EUROPEANA zugeänglich gemacht.

      Die originale Figur „Anna Pavlova“ (1936) wird digitalisiert

      Der sterbende Schwan: Eine historische Attraktion wird wieder sichtbar

      Bei Gastauftritten in Moskau und Sankt Petersburg im Jahr 1936 präsentierte das Salzburger Marionettentheater erstmals eine besondere Attraktion: eine Marionette nach dem Vorbild der großen russischen Ballerina Anna Pavlova, die – mit 17 Fäden von fünf Puppenspieler:innen geführt – den „Sterbenden Schwan“ tanzt. Diese Choreographie blieb über viele Jahre Aushängeschild der Salzburger Marionettenspielkunst. Inzwischen ist die originale Figur längst zu fragil, um gespielt zu werden, kann aber nun in 3D-Ansicht wieder sichtbar gemacht werden. Mit einer 1978 neu gebauten Figur ist „Anna Pavlova“ bis heute als Teil des Balletts „Der Nussknacker“ auf der Bühne aktiv.