William Shakespeare

Ein Sommer­nachts­traum (Kurzfassung)

Schauspiel in fünf Akten
Übersetzung aus dem Englischen: Hinrich Horstkotte
Musik: Felix Mendelssohn-Bartholdy
Musikalische Bearbeitung und Komposition: Franz-Josef Grümmer
Uraufführung: London, ca. 1598
In deutscher Sprache mit Erläuterungen auf Englisch, Französisch, Spanisch
Dauer: 1 Stunde 10 Minuten
Besetzung
Inszenierung und Ausstattung: Hinrich Horstkotte
Choreographie: Peter Breuer
Bildhauerarbeiten: Pierre Monnerat
Technik: Alexander Proschek



Bühnenmalerei: Günter Patoczka
Plastische Arbeiten: Andrea Alker, Jane Eve
Kostümschneiderei: Gerda Michel, Ingrid Drexler, Verena Stadlmayr
Ton und Licht: Alexander Proschek
Bühnenmeister: Pierre Droin
Werkstatt: Vladimir Fediakov, Pavel Tikhonov

Aufnahmeleitung: Anja Beusterien
Dialogregie: Hinrich Horstkotte
Dramaturgie: Lynn Snook
Rolle
Sprecher:in
Marionettenspieler:in
Theseus
Michael Kamp
Philippe Brunner / Edouard Funck
Hyppolyta
Monika Bujinski
Emanuel Paulus
Philostrates
Markus Meyer
Ursula Winzer
Oberon
Michael Kamp
Pierre Droin
Titania
Monika Bujinski
Philippe Brunner
Puck
Markus Meyer
Ursula Winzer
Indisches Königskind
Nerupama Rathore
Vladimir Fediakov
Erbsenblüte
Annette Dasch
Heide Hölzl
Spinnweb
Horst Eierharfe
Michaela Obermayr
Motte
Ulrich Naudé
Eva Wiener
Senfsamen
Irmtraud Horstkotte
Emanuel Paulus
Peter Quitte (Prolog)
Michael Schrodt
Heide Hölzl
Nikolaus Zettel / Esel (Pyramus)
Prodromos Antoniades
Pierre Droin / Vladimir Fediakov
Frank Flöt (Thisbe)
Max Ruhbaum
Ursula Winzer
Tom Schnauz (Wand)
Hinrich Horstkotte
Emanuel Paulus
Schnock (Löwe)
Christoph Kottenkamp
Vladimir Fediakov
Robert Schlucker (Mondschein)
Manuel Kressin
Eva Wiener

Inboccallupo-Orchester Berlin
Dirigent:
Andreas Schüller

Stipendiaten der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker
Dirigent:
Franz-Josef Grümmer

Aufnahme für das Salzburger Marionettentheater

Premiere: Salzburg, 2.6.2001

Sämtliche Marionetten sowie die gesamte Ausstattung wurden in den Werkstätten des Salzburger Marionettentheaters hergestellt.

Ensemble
Susanne Tiefenbacher
Geschäftsführung
  • geboren in Zell am See
  • Wirtschaftsausbildung und Studium der Kommunikationswissenschaften
  • berufliche Auslandsaufenthalte in Peking, Hongkong, Zypern und Portugal
  • selbstständige Unternehmerin im Bereich Eventmarketing und Kulturmanagement, Produktionsleitung von Festivals
  • Geschäftsführerin des Winterfest Salzburg (Festival für zeitgenössischen Circus)
  • seit 2020 am Salzburger Marionettentheater
Philippe Brunner
Künstlerischer Direktor, Marionettenspieler
  • geboren in Berlin
  • Studium der Musikwissenschaften und der Englischen Literatur
  • Gründung und Leitung der Jungen Marionettenoper Berlin
  • Organisation bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern und den Berliner Festspielen
  • Produktionsleitung bei ECM Records München
  • seit 2003 am Salzburger Marionettentheater
Anne-Lise Droin
Marionettenspielerin, Schneiderei
  • geboren in Genf
  • Ausbildung zur Kindergartenpädagogin
  • Puppenspielerin, Puppenwerkstatt am Genfer Marionettentheater
  • seit 2010 am Salzburger Marionettentheater
Pierre Droin
Marionettenspieler
  • geboren in Genf
  • Studium der Kunstgeschichte
  • Puppenspieler, Puppenbauer und Regisseur am Genfer Marionettentheater
  • seit 1990 am Salzburger Marionettentheater
Vladimir Fediakov
Marionettenspieler, Bildhauer, Schnitzer, Puppenbauer
  • geboren in Moskau
  • Ausbildung zum Automechaniker
  • LKW-Fahrer, selbständiger Taxi-Fahrer
  • Möbelrestaurator
  • seit 2000 am Salzburger Marionettentheater
Edouard Funck
Marionettenspieler, Kostümschneiderei
  • geboren in Paris
  • Schneidermeister: Ausbildung an der Ecole Paul Poiret für darstellende Kunst Paris
  • Kostüm Supervisor für Stage Entertainment, Cirque du Soleil, Oper Leipzig.
  • freischaffender Kostümbildner
  • 2011 bis 2017 und seit 2019 am Salzburger Marionettentheater
Heide Hölzl
Marionettenspielerin
  • geboren in Salzburg
  • Ausbildung zur Schneiderin an der Gewerbeschule Salzburg
  • Damenschneiderei für Theater
  • seit 1960 am Salzburger Marionettentheater – eigentlich in Pension, aber nach wie vor aktiv
Maximilian Kiener-Laubenbacher
Marionettenspieler, Werkstatt
  • geboren in Regensburg
  • Gesangsstudium an der Universität Mozarteum
  • freischaffender Sänger und Gesangslehrer
  • seit 2019 am Salzburger Marionettentheater
Marion Mayer
Marionettenspielerin, Kostümschneiderei
  • geboren in Salzburg
  • Fachhochschulen für Mode- und Bekleidungstechnik sowie Keramik und Ofenbau
  • Schneidermeisterin, Keramik- und Hafnergesellin
  • Tätigkeit im Einzelhandel
  • seit 2015 am Salzburger Marionettentheater
Emanuel Paulus
Marionettenspieler, Bühnenmalerei, Werkstatt
  • geboren in Schwarzach
  • Maler und Anstreicher
  • seit 2007 am Salzburger Marionettentheater
Philipp Schmidt
Marionettenspieler, Assistent des künstlerischen Direktors
  • geboren in Göttingen
  • studierte Musiktheorie, Musikwissenschaft und Linguistik
  • Lehrbeauftragter für Musiktheorie an der Hochschule für Musik Weimar
  • Lektor und Notensetzer für verschiedene Musikverlage
  • seit 2022 am Salzburger Marionettentheater
Eva Wiener
Marionettenspielerin, Requisite
  • geboren in Klagenfurt
  • Ausbildung zur Textilfachfrau an der HTL Textil
  • seit 1990 am Salzburger Marionettentheater
Ursula Winzer
Marionettenspielerin, Requisite
  • geboren in Hallein
  • Ausbildung zur Textilfachfrau
  • Verkauf und Beratung beim Heimatwerk
  • Diplomierte Feng Shui-Beraterin
  • seit 1986 am Salzburger Marionettentheater
Günther Schöllbauer
Technische Leitung, Bühnenmeister
  • geboren in Salzburg
  • Ausbildung zum Elektrotechniker
  • technische Leitung Kleines Theater (Salzburg) und Metropolis
  • Beleuchtungsmeister Salzburger Landestheater
  • seit 2019 am Salzburger Marionettentheater
Alexander Proschek
Technik
  • geboren in Wiener Neustadt
  • Diplomstudium Digitale Medientechnologien
  • selbstständiger Ton- und Lichttechniker
  • leidenschaftlicher Musiker
  • seit 2016 am Salzburger Marionettentheater
Barbara Ortner
Assistenz der Geschäftsführung, Office-Management
  • geboren in Salzburg
  • Ausbildung zur Touristikkauffrau
  • Rezeption und Veranstaltungsorganisation in diversen Hotels
  • seit 1999 am Salzburger Marionettentheater
Christine Gropper
Finanzen, Förderwesen, strategisches Marketing
  • geboren in München
  • Studium der Kulturgeographie und des Landschafts-, Regional- und Stadtmanagements in Erlangen, Salzburg und Buenos Aires
  • Aufbaustudium Kulturmanagement
  • Ticketingleitung Filmkulturzentrum Das Kino, Salzburg
  • Produktionsleitung Winterfest (Festival für zeitgenössische Circuskunst), Salzburg
  • seit 2021 am Salzburger Marionettentheater
Silvia Greisberger
Kassa
  • geboren in Salzburg
  • Sprachenstudium
  • Rezeption und Hotelreservierung
  • Kartenverkauf bei einer Konzertagentur
  • seit 2021 am Salzburger Marionettentheater
Andrea Schmirl
Kassa
  • geboren in Innsbruck
  • Sprachenstudium
  • Stadtführerin in Innsbruck
  • Verkauf im Reisebüro
  • seit 2005 am Salzburger Marionettentheater

Der Vorstand des Trägervereins

  • Claus Spruzina
  • Suzanne Harf
  • Hannes Eichmann
  • Kurt Lassacher
  • Brigitte Lindner
  • Anton Santner
Inhalt

Theseus, Herzog von Athen, erwartet ungeduldig die Hochzeit mit Hippolyta, der stolzen Königin der Amazonen.

Eine Gesellschaft von Handwerkern trifft sich, um das Theaterstück „Pyramus und Thisbe“ anlässlich der bevorstehenden Hochzeit des Herzogs Theseus einzustudieren. Die Rollen werden verteilt. Um ungestört proben zu können, verabredet sich die Theatergruppe um Mitternacht im Wald.

Puck, der Lieblingskobold des Elfenkönigs Oberon, und eine Elfe aus dem Gefolge der Königin Titania, erzählen sich vom Streit ihrer Herrschaft um das Vorrecht auf ein indisches Königskind. Titania weigert sich, Oberon das Königskind zu überlassen und erweckt damit seine Rachlust. Oberon schickt Puck um die Zauberblume zu holen. Wird deren Saft Schlafenden auf die Augen geträufelt, erbrennen diese beim Erwachen in Liebe zu dem, was sie zuerst erblicken. Mit diesem Gift will er Titania bestrafen.

Titania wird von den Elfen in den Schlaf gesungen. Oberon verzaubert die schlafende Elfenkönigin mit dem Zaubersaft der Blume.

Die Handwerker proben im Wald. Aus Spaß an der Verwirrung setzt Puck dem prahlerischen Zettel einen Eselskopf auf. Zettel weckt versehentlich die schlafende Elfenkönigin, die sogleich in Liebe zu ihm entflammt. Sie lässt ihn von ihren Elfen verwöhnen und zu ihrem nahegelegenen Liebeslager führen.

Titania, willenlos in ihrer Liebe zum Esel, überlässt Oberon das Königskind. Während Titania selig in Umarmung mit Zettel schlummert, wird sie von Oberon entzaubert. Als sie erwacht, ekelt sie sich vor dem Ungeheuer, das sie eben noch geliebt hat. In der Morgendämmerung verschwindet das wieder versöhnte Elfenpaar.

Die drei frisch getrauten Hochzeitspaare freuen sich auf die Darbietung des Theaterstücks „Pyramus und Thisbe“: Pyramus’ und Thisbes Liebe wird durch eine Mauer getrennt. Sie verabreden sich zum nächtlichen Stelldichein auf dem Friedhof. Dort überfällt ein Löwe Thisbe. Als Pyramus ihren blutigen Schleier findet, hält er Thisbe für tot und ersticht sich. Thisbe findet den toten Liebsten und stirbt auch.

Trotz dieser dramatischen Darbietung endet das Hochzeitsfest in allgemeiner Heiterkeit. Um Mitternacht bevölkern die Elfen den Palast und segnen die schlafenden Paare.

Über das Stück

Kommentar des Regisseurs Hinrich Horstkotte

Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind, und unser kleines Leben ist von Schlaf umzogen.

William Shakespeare: The Tempest (Der Sturm), IV, 1

Die Nacht vom 23. auf den 24. Juni, die Mittsommernacht, war zu der Zeit Shakespeares stets mit Volksbräuchen, Tanz, Aberglauben und Magie verbunden. In dieser Nacht befiel die Menschen die „midsummer madness“, die den überhitzten Hirnen Täuschung und Einbildung für Wahrheit vorgaukelt. Freilich spielt der „Sommernachtstraum“, wie der Herzog Theseus bei der Erweckung der Liebespaare aus ihrem Zauberschlaf erwähnt, im Mai. So scheint Shakespeare mit dem Titel hauptsächlich ein bestimmtes Lebensgefühl ansprechen zu wollen, eben die mitsommerliche Aufhebung der Grenze zwischen Schein und Sein. Zu diesem magischen Tag fügt er noch den magischen Ort, den Wald, wo die wuchernde Natur und ihre Beherrscher die Ordnungen der Zivilisation aufheben und das Chaos regiert. Wo könnte man auch besser „Bäumchen wechsle dich“ spielen, als unter Bäumen? Die innere Ordnung dieses Chaos macht Shakespeare zur Struktur seines Dramas: vier Handlungsebenen, vier Personenkonstellationen, also die weltlichen Herrscher, Theseus und Hippolyta, die „geistigen“ Herrscher, Oberon und Titania, die Liebespaare und die Handwerker, werden im Walde durcheinandergewirbelt, verknotet und zu willenlosen Marionetten ihrer Gefühle und Triebe, und Puck, dessen Liebstes die Verwirrung ist, betätigt sich als Puppenspieler.

Scheinbar wahllos hat sich Shakespeare auch der Vorbilder für seine Protagonisten aus dem unermesslichen „Fundus“ seiner Quellen bedient: da trifft der Elfenkönig der altnordischen Mythologie, Oberon, ein Verwandter Alberichs und Erlkönigs, auf Titania, die ihre Vorfahren in den matriarchalischen Urwesen der antiken, griechischen Mythologie hat. Da wird aus der schönen Helena, um derentwillen ganz Troja in Flammen aufging, ein ungeliebtes Häuflein Elend, um das sich ein christlicher Märtyrer, Demetrius, und Lysander, der, wie auch seine geliebte Hermia, wohl dem berühmten unglücklichen Liebespaar Hero und Leander nachempfunden ist, schlagen. Eine ähnlich traurige „Romeo-und-Julia-Geschichte“ haben sich die tumben Handwerker aus den Metamorphosen des Ovid herausgelesen und halten damit ihren etwas ernsteren Mitspielern einen Zerrspiegel vor. Ähnlich spiegelt der Streit von Oberon und Titania die mühsam erkämpfte Niederlage der Amazonenkönigin Hippolyta gegen den Eroberer Theseus, die Shakespeare von Plutarch entliehen hat.

Dieser Theseus, zu Beginn der Vertreter der städtischen Ordnung, hebt am Ende die strengen Gesetze Athens auf und verhilft der Liebe zu ihrem Sieg über die Vernunft, und das ist es, was das Stück uns lehren will.

Shakespeare, der nicht nur der wohl größte Dramatiker, sondern auch ein unübertrefflicher Beherrscher der Formen war, verknüpft auch die unterschiedlichsten Sprach- und Sprechstile in seinem „Sommernachtstraum“, die Herrscher sprechen in wohlgesetzten Hexametern, zuweilen in Reimen, die Liebenden wollen es ihnen gleichtun, vergreifen sich allerdings mitunter im Rhythmus (vom sentimentalen Pathos ihrer Liebesbeteuerungen, den Shakespeare den „Groschenromanen“ seiner Zeit nachempfand, ganz abgesehen), die Handwerker schließlich sprechen zivil in Prosa, wie wohl sie kaum eine korrekte grammatikalische Wendung zustande bringen, und haben ihre Tragödie in Schüttelreimen verfasst. Darüber hinaus durchsetzt der Autor sein Stück mit unendlichen Anspielungen, doppelten Böden und Assoziationen, etwa, dass Titania, ein zerbrechliches Feenwesen, in einen Esel, dem die Renaissance eine geradezu monströse sexuelle Kraft nachsagt, verführt und damit die Kräfteverteilung umkehrt. Shakespeares Publikum, dass im Falle des „Sommernachtstraums“ ein höfisches war, denn er wurde vermutlich für die Hochzeit eines Adeligen geschrieben, zu deren Ehrengästen auch die hochgebildete Elizabeth I. gehörte, kannte und erkannte all diese vielschichtigen Mosaiksteinchen und wusste sie zu nehmen, wie sie gemeint waren. Dabei konnte sich der Dramatiker der elisabethanischen Zeit auf die Phantasie seiner Zuschauer verlassen, denn illusionistische Bühnenbilder waren dem damaligen Theater unbekannt und kamen erst auf, als Shakespeare seine letzten Werke, unter ihnen der „Sturm“, verfasste. So spiegelt sein Werk auch die Entwicklung der Bühnenpraxis auf der Schwelle vom 16. zum 17. Jahrhundert wieder.

Shakespeares Publikum war es gewohnt, sich Schauplätze, aber auch Effekte, etwa Zaubereien, auf dem Theater vorzustellen, darum gibt es immer wieder eine Person, die zu Beginn einer Szene den Schauplatz beschreibt oder auf besondere Geschehnisse aufmerksam macht. So wird sich der Zuschauer des „Sommernachtstraums“, wenn Oberon die Blumen, die am Schlafplatz Titanias wachsen, aufzählt, wirklich in den Wald versetzt gefühlt haben, und der Umstand, dass immer wieder auf Zettels Verwandlung in einen Esel hingewiesen wird, auf seine langen Ohren und sein weiches Fell, legt den Schluss nahe, dass eine Verkleidung des Schauspielers kaum oder gar nicht vonnöten war. Im übrigen kannte das Publikum nur Männer auf der Bühne, die Frauenrollen wurden von Knaben gespielt, was Flöts Darstellung der Thisbe im Handwerkerspiel insofern eine zusätzlich bizarre Note verleiht, da die zuhörenden Frauen, Hippolyta, Hermia und Helena, ebenfalls von Männern, die aber „echte“ Frauen darstellten, gespielt wurden.

Das Theaterpublikum hat sich nun allerdings seit der Renaissance sehr gewandelt. So zogen bald illusionistische Bühnenbilder, spektakuläre Effekte und natürlich auch wunderschöne, echte Damen in die Theater ein und mit ihnen trat die Parabelhaftigkeit, Vielschichtigkeit und Stilisierung in der Darstellung gerade des „Sommernachtstraums“ immer mehr in den Hintergrund. Natürlich war der shakespearesche Zauberwald ein Lieblingskind der Romantik, wie uns die wunderbar atmosphärische Bühnenmusik Mendelssohn Bartholdys noch heute verdeutlicht, und noch Max Reinhardt huldigte in seinen spektakulären Inszenierungen und seiner opulenten Verfilmung einem romantischen Realismus (mit hunderten von echten Bäumen auf der Drehbühne), von dem sich Shakespeare sicherlich nichts träumen ließ. Erst später, hier vor allem und besonders schlagend Peter Brook 1970, wandte man sich wieder der viel schlichteren Darstellungsform zu, welche die unendlich vielen Facetten des Stückes wohl doch stärker zum Leuchten bringt, als eine allzu märchenhafte Konkretisierung. Wie verhält es sich aber mit den Marionetten und dem „Sommernachtstraum“? Träumt nicht jeder, der den „Sommernachtstraum“ auf die Bühne bringen darf, von einem fliegenden Puck, und lässt dann gerade, damit er ihn sich vorstellen kann, den Schauspieler auf dem Boden stehen? Was ist aber, wenn er mit Wesen arbeiten darf, deren Element genauso die Luft wie die Erde ist? Was ist, wenn er hier genau das, was er sich im stillen Kämmerlein beim Nachfabulieren des wundervollen Stückes imaginiert, genauso umsetzen kann? Muss er dann nicht alle stilistischen Bedenken beiseitelegen und dem merkwürdigen Zauber der Marionetten, und dem der Salzburger Marionetten zumal, nachgeben, weil es diesen hölzernen Geschöpfen, die (nach Cocteau) eine Seele haben, auf merkwürdige Weise gelingt, alles Schwülstige, Schwere aufzuheben? Dieser Versuchung sind wir wachen Auges erlegen, um für einmal, wie in der sagenhaften „Mittsommernacht“, einen Traum zur Realität werden zu lassen, und so ist es denn, mit Mendelssohns Hilfe, zu einem romantischen Sommernachtstraum gekommen, mit dem, wie wir glauben, die kleinen Marionetten dem großen Shakespeare am besten dienen können.

Hinrich Horstkotte

If we shadows have offended,
Think but this, and all is mended,
That you have but slumber’d here
While these visions did appear.
And this weak and idle theme,
No more yielding but a dream,
Gentles, do not reprehend:
If you pardon, we will mend.
And, as I am honest Puck,
If we have unearned luck
Now to ‘scape the serpent’s tongue,
We will make amends ere long;
Else the Puck a liar call.
So, goodnight unto you all.
Give me your hands, if we be friends,
And Robin shall restore amends.

Wenn wir Schatten missfallen haben,
denkt nichts als das Folgende, und alles ist getilgt,
nämlich, dass ihr hier nur geschlummert habt,
als diese Visionen erschienen.
Und dieses schwache und gemeine Thema
hatte nicht mehr Bedeutung, als ein Traum,
Herrschaften, tadelt nicht:
wenn ihr verzeiht, werden wir es uns zu Herzen nehmen.
Und, so wahr ich der ehrliche Puck bin,
wenn wir das unverdiente Glück haben,
den Schlangenzungen zu entwischen,
werden wir bald etwas Besseres geben;
sonst nennt den Puck einen Lügner!
Nun, euch allen gute Nacht.
Gebt mir eure Hände, wenn wir Freunde sind,
dann wird Robin euch Glück dafür geben!

A Midsummer Night's Dream, V, 1

Geschichte

Mit einer Aufführung von Mozarts Bastien und Bastienne gründet der Bildhauer Anton Aicher 1913 das Salzburger Marionettentheater. Er hat mit den Vorstellungen, welche er mit seiner ganzen Familie aufführt, so großen Erfolg, dass er noch im Herbst desselben Jahres auf die erste Gastspielreise geht. Das Repertoire wird rasch ausgebaut, für Kinder werden dutzende Märchenspiele inszeniert, im Mittelpunkt steht der Kasperl.

Anton Aicher

Als Hochzeitsgeschenk erhält Hermann Aicher 1926 von seinem Vater Anton das Marionettentheater, das dieser mit seinen technischen Kenntnissen zu einer echten Miniaturbühne ausbaut. In Zusammenarbeit mit dem Mozarteum werden immer anspruchsvollere Werke einstudiert. Bald stehen auch Mozarts „kleine“ Opern wie Apollo und Hyazinth oder Der Schauspieldirektor auf dem Spielplan.

In den Jahren 1927–1934 unternimmt das Theater Gastspielreisen nach Hamburg, Wien, Holland, sowie eine große Balkan-Tournee nach Istanbul, Sofia und Athen. 1936 folgen Moskau und Leningrad, wo in Sälen mit bis zu 2500 Besuchern gespielt wird. Dazu müssen neue, größere Marionetten gebaut werden. Zur besonderen Attraktion wird der „Sterbende Schwan“ mit einer Marionette, welche die legendären Ballerina Anna Pawlowa zum Vorbild nimmt.

Die Figur der Anna Pawlowa bei einem Gastspiel in Moskau/Leningrad 1936

In den Kriegsjahren wird das Theater als Fronttheater eingesetzt. Hermann Aicher wird 1944 zum Militär eingezogen und das Theater wird geschlossen. Unmittelbar nach Kriegsende 1945 beginnen die Marionetten wieder zu spielen. 1947 geben sie das erste deutschsprachige Gastspiel in Paris im renommierten Théâtre des Champs-Elysées. Es folgt eine intensive Tournee- und Gastspieltätigkeit bis Japan, Südafrika und Australien und es werden neue Produktionen inszeniert, allen voran Mozarts Die Zauberflöte. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte wird das Repertoire um alle fünf großen Mozart-Opern erweitert. Mit Günther Schneider-Siemssen beschäftigt das Theater einen Bühnenbildner, der bis 1991 sämtliche Produktionen des Theaters ausstattet.

Historisches Szenenbild aus "Die Zauberflöte"

1959 wird der erste Theatersaal des Marionettentheaters im alten Borromäum wegen Baufälligkeit geschlossen und das Theater zieht für 10 Jahre in eine provisorische Spielstätte am Kapitelplatz.

1971 wird das neue, erstmals nach eigenen Wünschen gestaltete Haus in der Schwarzstraße mit Rossinis Der Barbier von Sevilla eröffnet. Nach Hermann Aichers Tod im Jahr 1977 übernimmt seine Tochter Gretl die Leitung. Es folgen Tourneen in ganz Europa, Amerika und Asien.

Zum Mozartjahr 1991 inszeniert Götz Friedrich Mozarts Così fan tutte.

1994/95 werden alle fünf Mozartopern für Fernsehen und Video mit Sir Peter Ustinov als Erzähler aufgezeichnet. In den 1990er Jahren entstehen mehrere Koproduktionen mit dem Salzburger Landestheater. Mit Carl Maria von Webers Oberon wirken die Salzburger Marionetten 1996 erstmals im kleinen Festspielhaus bei den Salzburger Festspielen mit.

Figuren aus C. M. von Webers "Oberon" für die Salzburger Festspielen 1996

Es folgt eine Zusammenarbeit mit den Osterfestspielen für Prokofieffs Peter und der Wolf mit Tobias Moretti als Sprecher. Zum 85. Geburtstag der Marionetten wird auf der Festung Hohensalzburg das Museum „Welt der Marionetten“ eröffnet.

Barbara Heuberger übernimmt die Geschäftsführung und 2001 feiert das Theater erstmals seit langer Zeit wieder die Premiere eines Schauspiels: Ein Sommernachtstraum von William Shakespeare. Im Dezember 2003 folgt die Premiere von Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel.

Im Mozartjahr 2006 werden während der Salzburger Festspiele alle 22 Mozartopern gespielt. Das Salzburger Marionettentheater inszeniert in diesem Rahmen Bastien und Bastienne und Der Schauspieldirektor.

Für The Sound of Music erhält das Theater exklusiv die Lizenz, die Geschichte der Salzburger Familie von Trapp mit Marionetten zu adaptieren und damit die Möglichkeit, seine eigene Version des in der ganzen Welt bekannten Broadway-Musicals zu gestalten.

Kinder der Trapp-Familie aus "The Sound of Music"

Mit András Schiff live am Klavier werden Claude Debussys La boîte à joujoux (Die Spielzeugschachtel), sowie Schumanns Papillons einstudiert. Eine französische Fassung von The Sound of Music ergänzt ein vierwöchiges Paris-Gastspiel über Weihnachten und Neujahr 2011/12.

Im gleichen Jahr entsteht in Kooperation mit dem Salzburger Landestheater Der Kleine Prinz, ein Jahr darauf folgt Wagners Der Ring des Nibelungen in einer auf zwei Stunden komprimierten Fassung.

Mit dem Tod von Gretl Aicher 2012 endet nach drei Generationen die Inhaberschaft der Familie Aicher. Die bestehende Gesellschaft wird bis 2020 von Dr. Barbara Heuberger geleitet; die Gründung eines Trägervereins festigt deren Struktur und gewährleistet den Fortbestand der Institution.

Sein 100-jähriges Bestehen feiert das Salzburger Marionettentheater 2013 mit den Produktionen Schneewittchen und die sieben Zwerge sowie Alice im Wunderland.

Mit Neuproduktionen wie Fidelio von Ludwig van Beethoven werden neue szenische Wege beschritten und die Technik des Marionettenspiels verfeinert.

Szenenbild aus "Fidelio"

2016 wird das Marionettentheater als immaterielles Kulturerbe in die Österreich-Liste der UNESCO aufgenommen und wird für seine besondere Spielpraxis ausgezeichnet.

Seit 1913 führten das Salzburger Marionettentheater über 270 Gastspielreisen und Tourneen in alle Welt.

DIE BAUGESCHICHTE VON HAUS UND THEATERSAAL

Seit dem Jahr 1971 befindet sich das Salzburger Marionettentheater im historischen Gebäude in der Schwarzstraße 24 – auf der rechten Seite der Salzburger Altstadt, eigebettet zwischen Landestheater und Internationaler Stiftung Mozarteum und zwischen Salzach auf der einen und Schloss Mirabell mit seinem weltberühmten Garten auf der anderen Seite.

Nach der Gründung des Salzburger Marionettentheaters 1913 in einem Atelier im Salzburger Künstlerhaus, seiner Unterbringung im Turnsaal des alten Borromäum und nach einem 10 Jahre andauernden „Ausweichquartier“ im Kapitelsaal fanden die Marionetten schließlich ihr Zuhause in der Schwarzstraße 24. Und auch das Haus selbst blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Zwischen der Villa Lasser – also der heutigen Stiftung Mozarteum – und dem damaligen Stadttheater wurde 1893 an der Schwarzstraße von der Gräflichen Arco-Zinnebergischen Brauerei Kaltenhausen ein „Restaurations- und Saalgebäude” errichtet. Architekt war Carl Demel, Baumeister Valentin Ceconi. 1897 wurde das Saalgebäude zum „Hotel Mirabell” umgewandelt.

Bis 1968 befand sich in den Räumlichkeiten des Hotels das Mirabell-Casino. Im Jahr 1970 begannen die Umbauarbeiten, um dem Salzburger Marionettentheater eine neue Spielstätte zu geben. Der ehemalige Speisesaal des Hotels wurde zum Zuschauerraum mit Bühne umfunktioniert. Er beeindruckt noch heute mit seinem reichhaltigen Stuck und opulenter Malerei. Auch im Foyer stieß man bei einer Reparatur im Jahre 2000 auf den ursprünglichen, prächtigen Stuck und seit dem Jahr 2003 erstrahlt die Decke des Foyers wieder in altem Glanz.

    Verein der Freunde

    Mitglieder wissen, wer die Fäden zieht …

    Im Verein der Freunde des Salzburger Marionettentheaters sind Sie uns ganz nah! Denn Freund:innen und Förder:innen gehen gemeinsam mit uns backstage, lernen die Künstler:innen und ihre Puppen persönlich kennen und treffen sich an besonderen Orten. Durch unseren aktuellen Freunde-Newsletter wissen Sie als Erste, was gespielt wird. Sie sind exklusiv bei Proben dabei und werfen einen Blick hinter die Kulissen, wo wir uns gemeinsam anschauen, wer die Fäden zieht!

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      Mitgliedsbeitrag Freund: € 50,– pro Jahr

      Mitgliedsbeitrag Förderer: € 100,– pro Jahr

      Im Vorstand: Harald Labbow, Julia Heuberger-Denkstein, Barbara Ortner, Nina Eisenberger, Julia Skadarasy, Katharina Schneider, Eva Rutmann, Franziska Wizany

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